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Eine Hand wäscht die andere

| 13.12.2016 | Allgemein | 1 Kommentar

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Gestern Abend saß ich mit meinem Mitbewohner in der Kneipe und plötzlich kam der Gedanke auf, wie geil das wäre, wenn wir eine Gemeinschaft bilden aus verschiedenen HandwerkerInnen und dann um die Häuser ziehen, um bei den Leuten in der Umgebung irgendwelche Arbeiten zu verrichten. Bei der einen Oma wackelt der Tisch und müsste mal geleimt werden, beim Nächsten ist die Steckdose kaputt und es ist kein Geld da für die Reparatur. Der Pizzabäcker um die Ecke braucht einen weiteren Wasseranschluss, bei der Frisörin ist die Spiegelbeleuchtung kaputt oder die kleine Autowerkstatt am Ende der Straße hat ein Problem mit der Heizungsanlage. What ever? Wir gehen dahin und kümmern uns darum. Und das Ganze ohne etwas dafür zu verlangen. Total ungezwungen. So wie damals auf dem Dorf, wo sich alle gegenseitig geholfen haben.

Natürlich denken die Leute dann, ich kann doch das jetzt nicht ausnutzen für meine Zwecke, ohne etwas dafür zu geben. So für umme, geschenkt. Klar geht das. Sie können sich doch ebenfalls etwas einfallen lassen, was sie tun können, um irgendwem zu helfen. Sicherlich könnten sie uns, der umherziehenden Handwerkergruppe, auch einfach eine Geldspende geben, die wir auch gut gebrauchen könnten, um uns z.B. neues Werkzeug oder Material besorgen zu können. Aber viel cooler wäre es, wenn alle das machen, was sie machen und sich das nehmen, was sie brauchen. So für umme, geschenkt. Da gibt es kein das ist mehr wert als das andere.

Warum fährt denn der Bauingenieur seine Kinder mit ner fetten Bonzenkarre zur Schule und die Bäckerin von nebenan muss mit dem klapprigen Fahrrad zur Arbeit fahren? Weil die Arbeit, die sie verrichten, unterschiedlich bewertet wird. Das ist aber Bullshit. Beide werden gebraucht. Der eine baut Häuser die andere kümmert sich darum, dass wir was zu essen haben. Aber das eine ist doch nicht wichtiger als das andere.

Alle Menschen haben Bedürfnisse, allen voran Nahrung, Wohnung, Kleidung und Heizung. Der eine hätte aber gerne noch ein cooles Motorrad, die andere steht auf seltene Grafiken, gedruckt auf feinstem Papier. Alle Menschen machen irgendwas und wenn jemand kommt und etwas haben will, dann verschenken sie das. Mit dem Wissen, das was sie brauchen, auch einfach geschenkt zu bekommen. Utopie? Klar, schwer vorstellbar in einem kapitalistischen System, wo alles subjektiv mit Geld bewertet wird. Warum kriegt der Handwerksbetrieb 45 Euro die Stunde und drei Straßen weiter geht der Maurer für achtfuffzig arbeiten? Was läuft denn da nicht richtig?

Das Geld bringt die Ungerechtigkeit und zwingt uns, Dinge zu tun, die wir vielleicht gar nicht wollen, nur um unsere Existenz zu sichern. Wenn sich alle zusammen um die benötigten Dinge kümmern, z.B. Holz hacken für die Ofenheizung der 80jährigen Nachbarin oder bei der Apfelernte helfen, dann ist doch alles da, was wir brauchen. Jetzt ist doch auch alles da, im Überfluss. Nur haben die einen mehr und die anderen weniger. Und dann gibt es Menschen, die sich bereichern und andere, die ausgebeutet werden. Was soll das? Wir können uns doch selbst organisieren und brauchen niemanden, der über uns bestimmt, was wir haben können und was nicht, was wir machen können und was nicht oder was wir können dürfen und was nicht. Jede einzelne Person kann doch für sich selbst entscheiden, was sie aus ihrem Leben macht, welche Aufgabe zu ihrer Selbstverwirklichung führt.

Die Menschen schaffen gemeinschaftlich das, was sie zum Leben brauchen und haben dann trotzdem noch genug Zeit für das, was ihnen Spaß macht. Der eine würde gern verrückte Möbel bauen, die andere webt wunderschöne Tücher in aller Gelassenheit auf ihrem alten Webstuhl. Während die Gitarristin mit ihrer Punkband durch die Städte tourt, hat der unsichere Künstler endlich mal die Zeit, all die grotesken Ideen umzusetzen, die er für seine Grafiken im Kopf hat.

Wir sind gestern zu dem Schluss gekommen, wir machen das jetzt einfach. Wir fangen mit der Handwerkergruppe an und schauen mal, wie sich das entwickelt. Unser Kiez ist überschaubar. Vielleicht schaffen wir es ja, dass alle ihren Beitrag geben für die Gemeinschaft, selbstorganisiert und solidarisch. Das wärs doch.

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Alle Kommentare
  • Friedachän

    13.12.2016, 20:33 Uhr

    Bravo Christian, danke!!!!! <3