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Künstlerischer Tiefdruck – ein Überblick

| 18.05.2015 | Drucktechnik | Keine Kommentare

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Fernab von Raster, Graviermaschine, digitalem Datenbestand und Laser werden beim künstlerischen Tiefdruck die Vertiefungen von Hand in die Druckform übertragen. Dies geschieht zum einen auf trockenem, mechanischem Wege, auch kaltes Verfahren genannt, indem die Vertiefungen mithilfe eines Werkzeugs direkt in eine Metallplatte gebracht werden. Zum anderen wäre da die nasse, chemische Möglichkeit, wobei mithilfe von Säure die Vertiefungen in die Platte geätzt werden, auch warmes Verfahren genannt, da bei der Ätzwirkung Wärme entsteht. Auch die Farbe wird mit der Farbwalze von Hand auf die gesamte Platte gegeben und anschließend zunächst mühsam mit dem Lappen in die Vertiefungen gedrückt, dann von allen nicht zu druckenden Stellen wieder entfernt, bis die Platte blank ist. Ein letzter Wisch mit dem Handballen über die Platte entfernt noch den feinsten Farbschleier. Das angefeuchtete Papier kommt auf den Drucktisch der Tiefdruckpresse, genau auf die bereits eingefärbte Druckplatte. Abgedeckt mit Filz wird nun das Ganze durch die Walzen der Presse gezogen. Der Filz wird hochgenommen, die Spannung steigt und eine original Druckgrafik kommt zum Vorschein, wenn das Papier von der Platte abgezogen wird. Ist der Druck zum Trocknen zwischen Pappen gepresst, kann nun die Platte erneut eingefärbt werden.

Kaltnadel-Technik und Kupferstich

Die einfachste mechanische Variante ist die Kaltnadeltechnik. Hier wird die Zeichnung mit einem besonders spitzen, stiftähnlichen Werkzeug aus gehärtetem Stahl, mit der Radiernadel, in die Metallplatte geritzt. Gut geeignet sind Kupfer- oder Zinkplatten. Das Einzigartige an der Kalten Nadel ist der besondere Farbschleier im Abdruck, entstanden durch die Grate an den Vertiefungen, an denen zusätzliche Farbe beim Einfärben haften bleibt.

Kalte Nadel auf Kupfer

Anders beim Kupferstich, hier werden die Grate entfernt, die bei der Arbeit mit dem Stichel entstehen. Meist bildet sich vor dem Stichel eine Spirale aus Grat, die einfach weggepustet oder mit dem Dreikantschaber entfernt wird, ein Werkzeug mit einem angeschliffenen, dreikantigen, spitz zulaufenden Stift. Der Stichel ist ein Stab aus Stahl mit einer Schnittkante an der Spitze. Der Stab ist eingefasst in einen pilzförmigen Griff. Im Abdruck wird die Linie als „gestochen scharf“ abgebildet.

Mezzotinto

Eine ganz andere Vorgehensweise zeigt die Schabkunst. Bei dieser Technik, auch Mezzotintotechnik genannt, wird zunächst die gesamte Platte so weit aufgeraut, also mit unzähligen Vertiefungen versehen, so dass diese im Druck rein schwarz erscheint. Anschießend werden die heller werdenden Stellen wieder herausgeschabt, das heißt die Vertiefungen werden abgeflacht, dadurch bleibt weniger Farbe beim Einfärben zurück und im Druck erscheinen diese heller. So lassen sich weiche Übergänge bewerkstelligen, bis hin zum reinen Weiß an den Stellen, wo die Vertiefungen gänzlich wegpoliert werden.

Radierung und Aquatinta

Bei der Arbeit mit Säure muss die Metallplatte zunächst gegen die Säureeinwirkung geschützt werden. Dies geschieht durch den Auftrag eines Ätzgrundes. Dieser ist besonders säureresistent, meist eine Mischung aus Harz, Wachs und Asphalt, je nach Anwendungsform. Ist die Platte entsprechend grundiert, kann mit der Radiernadel in den Ätzgrund geritzt werden. Die Nadel durchdringt die Asphaltschicht und legt das Metall frei. An diesen Stellen kann die Säure angreifen und somit eine Vertiefung in das Metall ätzen, die Tiefe wird durch die Zeit im Ätzbad bestimmt. Die Radierung bezeichnet die reine Strichätzung durch die Anwendung einer Nadel auf dem Ätzgrund. Die Linien zeichnen sich bei nur einer Ätzstufe durch eine gleiche Strichstärke aus, sofern der Ätzgrund gleichmäßig aufgetragen und gleichmäßig mit der Nadel durchdrungen wurde.

Strichradierung mit Aquatinta

Strichradierung mit Aquatinta

Je nachdem wie der Ätzgrund beschaffen ist, können die Linien einer Radierung unterschiedlich ausgeprägt sein. So hat die Zeichnung beim Einsatz eines weichen Ätzgrundes (Vernis Mou) den Anmut einer Kreidelithographie. Zur flächenhaften Gestaltung kommt die Technik der Aquatinta zum Einsatz. Hierbei wird die Platte mit einer Staubschicht aus Kolophonium oder Asphalt überzogen, welche dann mithilfe einer Heizplatte angeschmolzen wird. Die so verbleibenden Harztröpfchen verhindern den Angriff der Säure an den entsprechenden Stellen und nur an den Zwischenräumen kann die Säure wirken und in die Tiefe ätzen. Das Ergebnis im Druck ist eine homogene Fläche, die je nach Ätzwirkung entsprechend dunkel erscheint. Die vielfältigen Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz dieser Technik ergeben, sind nahezu unbegrenzt. So kann mit gröberem Korn gearbeitet werden, bestimmte Stellen können mit Asphaltlack abgedeckt werden oder das Korn wird in unterschiedlicher Stärke aufgetragen werden. Auch durch die Länge des Anschmelzprozesses kann zumindest beim Einsatz von Kolophoniumstaub die Erscheinung des Korns beeinflusst werden, da die Tröpfchen ineinander fließen.

Der künstlerische Tiefdruck unterscheidet sich erheblich von der industriellen Variante, nicht nur in der Herstellung. Das Erscheinungsbild eines Druckes auf hochwertigem Büttenpapier weist ein hochpräzises, haptisches Druckbild auf, welches kaum zu übertreffen ist. So wird auch in Zukunft diese Form der original Druckgrafik bei vielen Menschen Begeisterung auslösen und weiterhin ihre Daseinsberechtigung behalten.

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