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Solidarität mit der Linie 206

| 10.05.2016 | Drucktechnik, Zeppi29 | Keine Kommentare

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Anlässlich der heute vorgenommenen Räumung einiger Teilflächen der Linienstraße 206 möchte ich meine Solidarität mit diesem Beitrag zum Ausdruck bringen, da ich leider heute morgen nicht direkt dort hinfahren konnte, um mich der solidarischen Gemeinschaft vor Ort anzuschließen. Ich habe bereits 2013 in meiner Radierserie »Gentrifikation« eine Druckgrafik von der Hausansicht gemacht. In dieser Serie werden die Überbleibsel einer immer weiter schrumpfenden Hausbesetzerszene in der Großstadt dokumentiert, die von Repressionsorganen des Staates terrorisiert, gedemütigt und aus der Stadt gedrängt werden. Wir lassen uns nicht vertreiben. Wir bleiben alle!

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Erläuterung des Problems

Die Gentrifizierung beschreibt die Verdrängung der sozial schwachen Bevölkerung aus einem Stadtteil, die sich den Wohnraum, bei dem sich die Mieten durch Aufwertung der Immobilien immer mehr erhöhen, nicht mehr leisten können. Die Menschen werden an den Stadtrand gedrängt oder in Stadtteile, wo die Mieten noch bezahlbar sind. Sie sind also gezwungen, ihren Standpunkt in Form der Verlagerung zu verändern.
Ein weiteres Phänomen der Gentrifizierung ist die Verdrängung von alternativen Wohnprojekten, subkulturellen Zentren und ungewöhnlichen Wohnstrukturen, weil diese der städtischen Verwaltung ein Dorn im Auge sind. Diese Wohnkultur passt nicht mehr in das aufgewertete Stadtbild, welches immer mehr von jungen erfolgreichen Karrieremenschen, sogenannten Yuppies bewohnt wird. Diese Menschen sind zuvor allerdings gerade wegen dieser kulturellen Vielfalt in diese Gegend gezogen, doch mit der Zeit wuchsen die Ansprüche an Wohnfläche und aufgewerteten Wohnraum. Zunehmend sind besonders die Luxussanierungen in der Innenstadt zu beobachten. Das zieht natürlich Investoren an, die Chancen zur Wertsteigerung sehen, Häuser aufkaufen und sanieren. Dadurch sind die Häuser bedroht, die bisher zu günstigen Mieten zur Verfügung standen oder bislang von HausbesetzerInnen bewohnt waren. Gerade bei der Hausbesetzerszene ist die Verdrängung aus dem Stadtbild in den letzten Jahren besonders stark zu beobachten. Eine ganz markante Veränderung vollzog sich in der Mainzer Straße in Berlin. War diese Straße in den Anfängen der 90-iger Jahre fast vollständig besetzt, ist davon in der heutigen Zeit nichts mehr übrig geblieben. Die gesamte Straße ist komplett saniert und von den ehemaligen BewohnerInnen ist niemand mehr zu sehen. Die gesamte alternative Subkultur ist verschwunden, kein Transparent zwischen den Fensterkreuzen übt Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen. Kein Bezug mehr zu den Standpunkten – den Einstellungen und Ansichten – der ehemaligen BewohnerInnen.
Einige wenige Überbleibsel der Subkultur sind in Berlin noch zu finden. Doch auch hier ist die Bedrohung durch stattfindende, umliegende Luxussanierung nicht abzuwenden.

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